KUNST UND KULTURGUTSCHEIN

 

Eckpunkte zur Überlegung eines neuen Kunst-und Kulturförderungsmodells

von Gino Tavernini

 

 

 

 

 

Die Basis des Modells ist ein Kunst-und Kulturgutschein - d.h. eine Summe, die jedem Bundesbürger für Kunst und kulturelle Zwecke zur Verfügung stehen sollen.

Es handelt sich dabei nicht um ein Geschenk vom Staat, sondern um eine Summe der gezahlten Steuergelder.

Das soll folgendermaßen funktionieren: Ein gewisser Prozentsatz der von den Arbeitnehmern und Firmen zu zahlenden Steuern, kann von den Steuerzahlern und Firmen für Kunst und Kulturprojekte genutzt werden.

Dieser Prozentsatz summiert sich Jahr für Jahr über eine gewisse Zeitspanne - zum Beispiel bis zu 5 Jahren.

Je nachdem wie viel Geld sich angesammelt hat, haben die Steuerzahler diese Summe zur Verfügung, die sie für den Kauf oder Konsum von Kunst einsetzen können.

Der einzelne Kunstinteressent oder die einzelne Firma  können z.B. von einem/einer professionellen KünstlerIn oder Galerie ein Kunstwerk kaufen oder ein Künstlerhonorar finanzieren. Nach Vorlage der Rechnung überweist das Finanzamt oder eine Institution wie BILD-KUNST die Summe aus den in den 5 Jahren angesammelten finanziellen Mitteln.

 

In der Praxis könnte das so laufen:

Ein Steuerzahler bezahlt z.B. 4000,00 Euro Steuern im Jahr.

Hiervon wird ihm ein 4%iger Sammelbetrag für Kunst und Kultur jährlich  eingeräumt.

(4% ist eine fiktive Zahl. Wahrscheinlich wäre ein Staffelungssystem abhängig von der eingezahlten Steuer besser).Der Steuerzahler und Kunstinteressent hat also 160,00 € pro Jahr für Kunst- oder Kulturausgaben zur Verfügung. Er kann auch die Gelder sich ansammeln lassen. Nach fünf Jahren stehen ihm 800,00 Euro zu Verfügung, um z.B. einen Kunstankauf zu realisieren. Nach Vorweisung der Rechnung, die von einem offiziell tätigen Künstler oder Galeristen ausgestellt worden ist, überweist ihm das Finanzamt oder BILD-KUNST die angesammelten Gelder.

 

Die Gelder können aber auch jährlich für andere kulturelle Zwecke ausgegeben werden. Der „Kulturgeldsammler“ kann sie auch für ein Abonnement beim Theater, Kunstverein, Kunstmuseum, Cineforum, in einem Musikverein oder in einer Literaturwerkstatt benutzen.

Die Institutionen bei denen diese Abonnements bezogen werden, sollten für ihre Aktivitäten bekannt sein (eingeschriebene Vereine etc)

Nach der Zeitspanne von 5 Jahren fließen die Gelder, derjenigen die sie nicht in Anspruch genommen haben, in die Staatskasse zurück und werden für künstlerische und kulturelle Zwecke. z.B. Künstlersozialkasse, Förderung von Institutionen im Ausland wie das Goethe Institut o.ä., benutzt.

Nach den ersten 5 Jahren fängt der Zyklus der Ansammlung erneut an.

 

 

 

 

Alle anderen Formen von öffentlichen Kunstförderungen auf Kommunaler-, Landes- und Bundesebene werden gestrichen.

 

 

Vorteil dieses Modells:

 

• Es sprengt die selektiven Elemente der Kunstdimension. Es gibt jedem/er KünstlerIn die Möglichkeit durch eigene Initiative in dem eigenen Umfeld sich einen Markt aufzubauen. Jeder Künstler könnte versuchen den Gutschein der Ansprechpartner für die einige künstlerischen Arbeiten zu bekommen. Weiterhin wäre nicht nur ein Austausch von Kunstprodukt und „Geldgegenwert“ möglich sondern auch die Auszahlung von Honoraren für künstlerische Leistungen. Das bedeutet gesellschaftliche Funktion und künstlerische Identität würden endlich einmal weitergehend gefördert und unterstützt.

 

• Jeder Bürgen entscheidet selbst – sozusagen basisdemokratisch – wie und wo er die eigenen angesammelten Finanzmitteln für Kunst und Kultur ausgeben möchte, das heißt auch,  jeder Bürger kann seinen Anspruch auf kulturelle Weiterbildung in die Tat umsetzen.

 

• Es entsteht eine Dynamisierung der künstlerisch-gesellschaftlichen Dimension.

 

• Diese Dynamisierung fördert die direkte Beziehung KünstlerIn/Kunst – Kulturkonsument.

 

• Nicht nur die Bildende Kunst und die Galerien hätten einen Vorteil, auch alle anderen Kunstinstitutionen.

 

• Die Institutionen  müssten mehr für die öffentliche Arbeit leisten (Personaleinstellung), um die Bürger anzusprechen und für die eigene Kunst zu gewinnen.

 

• Es entsteht eine Legalisierung der Kunstmarktdimension, d.h. auch im Fall eines Kunstkaufs oder einer Honorarzahlung würden Steuern und Beiträge für die Künstlersozialkasse bezahlt.

 

• Der Staat bekommt einen Teil der Gelder zurück im Form von Steuern und kassiert den Zins von den Geldern, die sich in den 5 Jahre angesammelt haben.

 

 

Überlegungspunkte:

 

• Um Missbrauch zu vermeiden sollten die KünstlerInnen und Institutionen, die die Gelder des Gutscheins bekommen in eine Art Kulturverband eingeschrieben sein.

Die Anmeldung bei der Künstlersozialkasse könnte so etwas sein. In jedem Fall sollte bei jeder Geldtransaktion ein

Anteil an die KSK eingehen.

 

• Wie Musikproduktionen, Literatur, Film, Theater etc. in diesem Zusammenhang eingebunden werden könnten, muss weiter analysiert werden. Die Unterstützung dieser Bereiche würde aber sicherlich sehr hilfreich sein für die Durchsetzung des Fördermodells.

 

 

Eine Realisierung des Modell Kunst-und Kulturgutschein verlangt in jeden Fall eine genauere Analyse der Kosten und eine Vertiefung der Einzelheiten durch Experten. 

 

 

Gino Tavernini 2002